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VORTRÄGE - WORKSHOPS - LESEGRUPPEN

Neben dem Austausch zwischen den Teilnehmer*innen und Referent*innen steht die Diskussion verschiedener theoretischer und methodischer Zugänge im Zentrum der Winter School. Aus verschiedenen disziplinären Perspektiven befragen, eigene Projekte vorstellen und verhandeln. Besonderes Augenmerk liegt auf der Sprache (die von Bildern eingeschlossen) und Übersetzungsprozessen. Tagungssprache ist deutsch.

Die vier Referentinnen Anne Dippel, Inge Hinterwaldner, Janina Loh und Astrid Schwarz halten jeweils einen Vortrag und bieten einen Workshop an. Daneben besteht die Möglichkeit, sich in Lesegruppen auszutauschen, gemeinsam Texte zu lesen und die eigenen Projekte zu diskutieren. In den Skills-Workshops werden gemeinsam Inhalte generiert, die nach der Winter School auf einem Blog veröffentlicht werden. "Akademisches Bloggen" heisst der Workshop von Daniel Kunzelmann, der gemeinsam mit der Grafikerin und Illustratorin Britta Kussin dieses Projekt leiten wird.

 

Dr. Anne Dippel

Vortrag

Von Quanten- und Menschenwelten. Zur Verschränkung von Materie und Bedeutung.

Die Frage, wie das Verhältnis von Symbolischem und Materiellem einerseits, andererseits von Menschlichem und Nicht-menschlichem beschrieben, beobachtet und gedeutet werden kann, stellt eines der grundlegenden Probleme aller Wissenschaften dar. Die US-amerikanische Physikerin, Philosophin und feministische Wissenschaftstheoretikerin Karen Barad hat in ihrem Werk als Antwort eine spezifische Deutung der Quantenmechanik, nämlich die Kopenhagener Deutung von Nils Bohr, zum Ausgangspunkt genommen. Von ihr ausgehend entwickelt sie das erkenntnistheoretische Konzept des agentiellen Realismus. Sie schlussfolgert, dass alle Objekte innerhalb von Intra-aktionen entstehen. Doch was heisst das konkret?

In diesem Vortrag werden die Entwicklung des agentiellen Realismus vor ihrem physikalischen Hintergrund erläutert und  die Theorie in den grösseren Kontext epistemischer Zugänge eingeordnet, um die Reichweite des Konzepts am Beispiel ethnografisch gewonnener Beobachtungen zu diskutieren. Dabei wird Quantenmechanik, Hochenergiephysik und Computational Physics mit der Frage verquickt, wie kulturanthropologische Felder und ihre Beobachter*innen theoretisiert werden können.

Workshop

Karen Barad auf halbem Weg begegnen. Close reading

ausgewählter Texte der US-amerikanischen Philosophin, Physikerin und feministischen Wissenschaftstheoretikerin

In diesem Workshop wollen wir uns Karen Barad (*1956) durch ein Close Reading annähern. Dabei steht der von Jennifer Sophia Theodor übersetzte und bei merve erschienene Text „Meeting the Universe Halfway:  Realism and Social Constructivism without Contraditction”, 1996 in dem von Lynn Hankinson Nelson und Jack Nelson herausgegebenen Band „Feminism, Science and Philosophy of Science“ (Dordrecht: Kluwer Academic Publishers)  im Zentrum. Durch den passageweisen Vergleich mit dem englischem Original werden die Chancen und Fallstricke von übersetzten Fachbegriffen diskutiert und gefragt, wie es möglich ist, in dem durch Englisch hegemonial beherrschten Wissenschaftsreich durch das Aufreissen eigener sprachlicher Horizonte subversive und alternative Wege zu gehen.

Prof. Dr. Inge Hinterwaldner

Vortrag

Simulationen – Browser – Spiele. Wie sind gegenwärtige Bildmaschinen gebaut?

Interaktive Bildwelten wie Computersimulationen, Browsersoftware oder online-Spiele zeigen sich nach und nach. Dies bedeutet, sie haben bei gegebener Echtzeitfähigkeit eine Erneuerungsrate, sodass etwas 'nachgeladen' wird. Was bedeutet dieser Modus des Erscheinens Schritt-für-Schritt? Sie zeigen zugleich aber auch nur das, was am Bildschirm, über die Lautsprecher und durch andere Interfaces erfahrbar wird. Programmierte Arbeiten haben aber auch etliche Schichtungen der Codierung. Wie können wir hierzu einen Zugang gewinnen und inwiefern lässt sich davon was versprechen? Der Beitrag adressiert die Problematik anhand von Beispielen aus unterschiedlichsten Bereichen.

Workshop

Theoriegrafik - ein praxisorientierter Versuch

Der Einsatz von eigenen Bildern ist in den Geisteswissenschaften - hier gezeigt am Beispiel der Kunstgeschichte - verbreiteter und diversifizierter als man gemeinhin glauben könnte. Dabei verfolgt man eine Fülle von Funktionen: Man sortiert eigene oder fremde Gedanken, man begibt sich mit dem Phänomen oder der eigenen Forschung in ein bestimmtes Nahverhältnis oder auf Distanz, man verschafft sich eine Übersicht, man skaliert hochdimensionale Daten in vermeintlich 'verfügbarere' Einheiten. Im Workshop wird der Frage nachgegangen, was es heisst, Visualisierungen im methodischen Bereich der eigenen Forschung zu verankern. Als praktische Übung wird versucht, ein Argument aus einem Text zeichnerisch umzusetzen und dann zu sehen, was die Differenzen in den Ergebnissen uns spiegeln.

Dr. Janina Loh

Dr. Janina Loh

Vortrag

Zwischen Überwindung und Abschaffung. Kritische Reflexionen zum Trans- und Posthumanismus.

Der Transhumanismus und der Posthumanismus vereinen Diskurse aus der Philosophie, den Sozial- und Kulturwissenschaften, den Neurowissenschaften, der Informatik, der Robotik und KI-Forschung und lassen sich an der Grenze von philosophischer Anthropologie und Technikphilosophie verorten. Der Transhumanismus will ›den‹ Menschen weiterentwickeln, optimieren, modifizieren und verbessern. Die transhumanistische Methode ist die technologische Transformation des Menschen zu einem posthumanen Wesen. Anders als dem Transhumanismus ist dem kritischen Posthumanismus nicht mehr primär an ›dem‹ Menschen gelegen, sondern er hinterfragt die tradierten, zumeist humanistischen Dichotomien wie etwa Frau/Mann, Natur/Kultur oder Subjekt/Objekt, die zur Entstehung unseres gegenwärtigen Menschen- und Weltbilds maßgeblich beigetragen haben. Der kritische Posthumanismus möchte ›den‹ Menschen überwinden, indem er mit konventionellen Kategorien und dem mit ihnen einhergehenden Denken bricht. Zwischen Transhumanismus und kritischem Posthumanismus ist der technologische Posthumanismus zu verorten, der allerdings nicht an einer Infragestellung tradierter Kategorien oder an einer Kritik des (humanistischen) Menschenbildes gelegen ist, sondern primär an der Erschaffung einer artifiziellen Alterität, die die menschliche Spezies ablösen und damit ›den‹ Menschen überwinden wird.

Der Vortrag gibt einen kritischen Überblick über diese drei Strömungen und stellt ihre wichtigsten Themen und Vertreter*innen vor.

Workshop

Einführung in den Trans- und Posthumanismus

Im Rahmen des Workshops werden die Teilnehmer*innen einen Einblick in die wichtigsten Debatten erhalten, lernen, die Themen dieser Strömungenkritisch zu diskutieren und sich über diese ein reflektiertes Urteil zu bilden. Hinsichtlich des Transhumanismus werden dabei die Themen "radikale Lebensverlängerung und Unsterblichkeit", "Kryonik" und "Human Enhancement" behandelt. Mit Blick auf den technologischen Posthumanismus die Themen "Mind Uploading", "Singularität" und "Künstliche
Superintelligenz". Schließlich werden zum kritischen Posthumanismus die Themen "Ringen mit dem Humanismus", "Überwindung des Anthropozentrismus und Essenzialismus" sowie die politischen Konsequenzen (aller drei Strömungen) diskutiert.

Prof. Dr. Astrid Schwarz

Vortrag & Workshop

Wie stehen digitale und analoge Welt in Beziehung?

Das Internet der Dinge ist mittlerweile zu einem geflügelten Ausdruck geworden. Kühlschränke, die über ihren Füllstand berichten, weibliche Butler, die sich um die häusliche Behaglichkeit kümmern, Smartphones, die mit unseren Konsumgewohnheiten vertraut sind und aktiv Angebote machen. Was genau die Dinge intelligent macht, auf welche Weise und mit welchem Ziel wird in unserer nahezu lückenlos kapitalisierten Welt zu einer eminent politischen Frage. Jane Bennett hat die Rede von der politischen Ökologie der Dinge geprägt und sich aus der Perspektive der Material Studies mit der Kraft der Dinge (Force of Things) und der Handlungsfähigkeit von Gefügen (Agency of Assemblages) beschäftigt. In Vortrag und Workshop soll untersucht werden, was Dinge theoretisch und praktisch zu handelnden Dingen macht und wie dadurch gewohnte Kategorien von Natur/Kultur, biotisch/abiotisch verschoben werden. Zum anderen soll es um die Frage gehen, wie die Rede von einer Ökologie der Dinge, von einer Medienökologie, einer „cultural ecology“ und „ecocriticism“ den Blick auf Beziehungsgefüge in der Natur verändern.


Literatur:
Bennett, Jane (2010). Vibrant Matter. Durham/London: Duke University Press
Bensaude-Vincent, Bernadette, Sacha Loeve, Alfred Nordmann & Astrid Schwarz (2017). Research Objects in their Technological Setting. London: Routledge.

Vorläufiger Wochenplan

Provisorischer Wochenplan_WinterSchool_M
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